Was passiert hier?

Freimuth Eigenbier gibt unaufgefordert Tipps, macht manchmal Cartoons, fotografiert wild in der Gegend rum und ist ferner ein Genie der Alltagslyrik. Kann auch vorkommen, dass er von sich selbst oder über Medienkram schreibt.

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Sonntag, 22. Februar 2009

Gebet

Herr, gib uns Schnitzel
Gib uns Pommes und auch
Jägersoße. Denn, Herr,
Brot gab's lang genug.

Dienstag, 27. Januar 2009

RIP Updike

Das hat hier ja mal gar nichts zu suchen, aber da ich heute noch mal über dieses Sonett von John Updike stolperte und dann in der Tagesschau hörte er sei verstorben, wusste ich, das muss ich posten:

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Gedicht im Gedächtnis an den vergangen Sommer

...welches im Sommer nicht zur Perfektion gelang, und nun doch einen Weg zur Veröffentlichung fand, mit Anmerkungsapparat und Varianten.


Auf fremden Decken sitzend,
unter unbezahlter Sonne,
fremd-finanziertes Bier
zu trinken -- das ist mir
nicht nur recht, sondern auch billig--
und bediente ich mich
solch "neudeutscher" Begriffe
wäre es auch "chillig".


___________
Anmerkungen:
Z.5 billig: ['bɪlɪç]
Z.7 Die Benutzung des Wortes "neudeutsch" in diesem Gedicht, erlaubt eine Annäherungsdatierung.
Z.8 ['tʃɪlɪç]
___________
Variante(n) (erste Fassung, Notizbuch des Dichters):
Z.2 = Z.3; Z.3=Z.2
Z.7: |ich mich |man sich
Z.8: |solch "neudeutscher" |[gestrichen:] jugendsprachlicher |neumodischer


Freitag, 24. August 2007

Spontaner Vierzeiler!

Unendlich, unerträglich
wächst der Alltagssorgen Last.
Der Sorgen allergrößte:
ob die Einbauküche passt.


Samstag, 5. Mai 2007

Die Ballade von Doreen und Sebastian


Sie hieß Doreen und kam aus Jena,
und Friseurin war sie von Beruf.
Berufen sah sie sich zum Star.
"Willste auf Seite eins?" kam der Ruf
vom großen Blatt des deutschen Boulevards.

"Nackich machen? Als Model muss man das",
dacht' Doreen, als es hieß "Titten frei!"
"Wenn's 'ästhetisch' ist, wär's doch was!
Für die Karriere! Was is'n schon dabei?
Aufmerksamkeit, Blitzlicht-- macht doch Spass (!)"

Gar nicht so entzückt war der Sebastian,
DJ, auch aus Jena: Doreens Lover.
Lange hamse nachgedacht schließlich dann
entschieden: Er bleibt undercover.
Ist halt ein bess'res Image ohne Mann!

"Schere und Kamm häng ich an den Nagel!"
dachte Doreen; ständig war sie im Bild:
immer Sonnenschein und niemals Hagel.
Sebastian gefiel's nicht, vor Wut wild
er: "Das geht viel zu weit! Keine Frage!"

Denn plötzlich suchte man Doreen nen Mann,
Schließlich hieß es, sie sei noch Single.
"Auf die Kuhhaut geht das nicht, auch nicht dran",
dachte Basti, drückte vor der Tür die Klingel.
Sie öffnete, laut schrie er sie an:

"Wirklich, Schatz, ich kann nicht mehr!
Schluss ist!" Basti war verzweifelt.
"Aber Bärchen! Ich lieb dich so sehr!"
Dann: Versöhnung, ein Wochenende Eifel.
Rückweg, Autobahn, Jena kam schon näher,

das Handy spielte "Schnappi": ne SMS!
Beliebtestes Busen-Girl! Gewonnen!
Auch Basti gefiel's, gab ein Fest,
heizte Grill an, stellte den Sonnen-
schirm auf. Stolz war er, schön war es.

Big Brother rief auch schon bald darauf.
Doreen, "nicht dumm": zögerte nicht,
ohne ein Wort zu Basti, zog sie ins Haus.
Er: "Was? Ist die noch ganz dicht?"
Noch mal nackich, das nahm sie in Kauf...

"Vor Millionen Zuschauern verstecken?
Brauch ich nicht! Bin doch ach so schön!"
Stille Antwort von Sofas und von Lümmeldecken:
Naja vom Pony und der Fresse abgesehen...
Dann, irgendwann im Whirlpoolbecken:

Sinan, Türke, aber: aus'm Westen.
Kampfsportler! Und so anders! So
anders als Sebastian! Zum Besten
gab sie, was sie vorher nur, anderswo,
Basti gab, gab sich hin bis zum Letzen!

Tat's vor der Kamera, allen Kameras!
und vor dem Fernseher: Basti, sah sie!
An, auf, unter Sinan! "Das war's!
Nie wieder sehen, will ich die!
Sauer bin ich, voll ist das Maß!"

Doch wie schluss machen, ohne Verbindung?
Doreen hatte ja kein Handy im Haus!
So musst' er ins Studio, in die Sendung.
Das Aus! Verkündet aus dem Haus heraus!
Sie kam ihm zuvor. Er aber, noch jung,

brauchte Geld, ging trotzdem hin. Berufs-DJ
ist zwar nett, aber geldmäßig: naja.
Is doch nur'n Zubrot zur Stütze, ey.
Und Doreen? Glücklich? Nein, auweia!
Sinan raus! Er wollt' zur Mayday.

Basti fort, weit weg und Sinan ausgezogen
Doreen allein, verzweifelt und schlimmer
noch: um den verdienten Ruhm betrogen!
Naja, noch hat sie keinen Schimmer,
aber draußen macht man um sie nen Bogen.

Mama und Papa erst stolz, jetzt beschämt.
Keiner guckt sie mit'm Arsch noch an,
wennse sich lasziv die Brüste cremt.
Gott! Noch nicht einmal Kai Dieckmann,
obwohl der's vorn wie hinten kann.

Sonntag, 21. Januar 2007

60 Silben für die Ewigkeit (4)

Wer ist das eigentlich,

der abends den Hammer
schwingen zu müssen glaubt?
Oder, schlimmer noch, meint,
dass Schraube und Dübel
ihr Loch dringend um 9
noch benötigen? Ja,
leider meine Nachbarn
und nicht irgendwer am
andern Ende der Stadt.

Montag, 15. Januar 2007

60 Silben für die Ewigkeit (3)

Wäre ich Physiker,
plagten mich sicherlich
ungeheure Zweifel
an der Re-a-lität.

Ein Zug, der ÜBERALL
hielt', stünde nicht nur still,
NEIN! er wär sogar
allgegenwärtig. So
sieht's doch aus, liebe Bahn.
Hier ein Referenzbild:


[Ja, ich kann ein Gedicht mit einem Hinweis auf ein Bild beenden. Erfüllt die mir selbst auferlegten formalen Anforderungen. Ätsch.]

Sonntag, 14. Januar 2007

60 Silben für die Ewigkeit (2)

Sechzig Silben für die
Ewigkeit-- als Vorsatz
wahrlich unbescheiden.
Doch was ist Ewigkeit?
Relativ betrachtet
ist Ewigkeit nicht mehr
als bloß eine ziemlich
lange Zeit. (Fünfzehn Sinn-
volle Silben bitte
hier einfügen. Danke.)


Freitag, 12. Januar 2007

60 Silben für die Ewigkeit (1)

Wenn Clowns in deinem Kopf

jongliernd Einrad fahren
(immer im Kreis herum),
ist das zwar ganz lustig,
aber es lenkt auch ab.
(Publikum, Kapelle,
Applaus und Gelächter.)

Und was ist, fallen sie
einer nach dem andern
ganz einfach so auf's Maul?

Dienstag, 26. Dezember 2006

Leider keine Weihnachtsgeschichte...

...dafür n Vierzeiler:

Wäre dieser Winter winterlicher,
schlüge Niederschlag als Schnee hernieder,
dann wär' diese Weihnacht eine weiße.
Doch im Fernsehn, unverändert: Scheiße.

Montag, 6. November 2006

Unerwartete Discounterregalfunde


Phallisches Fallobst
mit Fettglasur (kakaohaltig),

farbig verpackt.

Unerwarteterweise gefunden
im Regal eines Ladens,
der die Bezeichnung
Lebensmittelfachgeschäft
nur geradeso
nicht mehr verdient.



Dienstag, 3. Oktober 2006

An den Medienständer

Oh! Medienständer mein
stehst im Copy-Shop, im Kino,
in der Kneipe an der Ecke,
in Kaffeehaus und wo noch--

Oh! Medienständer mein
hast Karten zum verschicken,
Programmkinoprogramme auch,
alles, alles gratis und umsonst --

Oh! Medienständer mein
weiß nicht, ob du heißt, wie ich dich nenne
Oh! Medienständer mein
lass mich dein Medienmitnehmer sein.


Samstag, 30. September 2006

Fliesenlegerverse

(Folgende Verse sind den fleißigen osteuropäischen Fliesenlegern gewidmet, welche fleißig in meinem Hausflur Fliesen verlegen)

Wenn Ihr, die Ihr fleißig Fliesen legt
auf Treppen, in Fluren, laut euch
fließend in Sprachen unterhaltet,
die mir fremd und Euch Mutter- sind,

mich damit weckt, morgens "früh" (so um zehn),
so kann ich nicht anders, als Euch
nicht böse zu sein und mich
zwecks Weiterschlafen umzudrehen.