Was passiert hier?

Freimuth Eigenbier gibt unaufgefordert Tipps, macht manchmal Cartoons, fotografiert wild in der Gegend rum und ist ferner ein Genie der Alltagslyrik. Kann auch vorkommen, dass er von sich selbst oder über Medienkram schreibt.

Samstag, 5. Mai 2007

Die Ballade von Doreen und Sebastian


Sie hieß Doreen und kam aus Jena,
und Friseurin war sie von Beruf.
Berufen sah sie sich zum Star.
"Willste auf Seite eins?" kam der Ruf
vom großen Blatt des deutschen Boulevards.

"Nackich machen? Als Model muss man das",
dacht' Doreen, als es hieß "Titten frei!"
"Wenn's 'ästhetisch' ist, wär's doch was!
Für die Karriere! Was is'n schon dabei?
Aufmerksamkeit, Blitzlicht-- macht doch Spass (!)"

Gar nicht so entzückt war der Sebastian,
DJ, auch aus Jena: Doreens Lover.
Lange hamse nachgedacht schließlich dann
entschieden: Er bleibt undercover.
Ist halt ein bess'res Image ohne Mann!

"Schere und Kamm häng ich an den Nagel!"
dachte Doreen; ständig war sie im Bild:
immer Sonnenschein und niemals Hagel.
Sebastian gefiel's nicht, vor Wut wild
er: "Das geht viel zu weit! Keine Frage!"

Denn plötzlich suchte man Doreen nen Mann,
Schließlich hieß es, sie sei noch Single.
"Auf die Kuhhaut geht das nicht, auch nicht dran",
dachte Basti, drückte vor der Tür die Klingel.
Sie öffnete, laut schrie er sie an:

"Wirklich, Schatz, ich kann nicht mehr!
Schluss ist!" Basti war verzweifelt.
"Aber Bärchen! Ich lieb dich so sehr!"
Dann: Versöhnung, ein Wochenende Eifel.
Rückweg, Autobahn, Jena kam schon näher,

das Handy spielte "Schnappi": ne SMS!
Beliebtestes Busen-Girl! Gewonnen!
Auch Basti gefiel's, gab ein Fest,
heizte Grill an, stellte den Sonnen-
schirm auf. Stolz war er, schön war es.

Big Brother rief auch schon bald darauf.
Doreen, "nicht dumm": zögerte nicht,
ohne ein Wort zu Basti, zog sie ins Haus.
Er: "Was? Ist die noch ganz dicht?"
Noch mal nackich, das nahm sie in Kauf...

"Vor Millionen Zuschauern verstecken?
Brauch ich nicht! Bin doch ach so schön!"
Stille Antwort von Sofas und von Lümmeldecken:
Naja vom Pony und der Fresse abgesehen...
Dann, irgendwann im Whirlpoolbecken:

Sinan, Türke, aber: aus'm Westen.
Kampfsportler! Und so anders! So
anders als Sebastian! Zum Besten
gab sie, was sie vorher nur, anderswo,
Basti gab, gab sich hin bis zum Letzen!

Tat's vor der Kamera, allen Kameras!
und vor dem Fernseher: Basti, sah sie!
An, auf, unter Sinan! "Das war's!
Nie wieder sehen, will ich die!
Sauer bin ich, voll ist das Maß!"

Doch wie schluss machen, ohne Verbindung?
Doreen hatte ja kein Handy im Haus!
So musst' er ins Studio, in die Sendung.
Das Aus! Verkündet aus dem Haus heraus!
Sie kam ihm zuvor. Er aber, noch jung,

brauchte Geld, ging trotzdem hin. Berufs-DJ
ist zwar nett, aber geldmäßig: naja.
Is doch nur'n Zubrot zur Stütze, ey.
Und Doreen? Glücklich? Nein, auweia!
Sinan raus! Er wollt' zur Mayday.

Basti fort, weit weg und Sinan ausgezogen
Doreen allein, verzweifelt und schlimmer
noch: um den verdienten Ruhm betrogen!
Naja, noch hat sie keinen Schimmer,
aber draußen macht man um sie nen Bogen.

Mama und Papa erst stolz, jetzt beschämt.
Keiner guckt sie mit'm Arsch noch an,
wennse sich lasziv die Brüste cremt.
Gott! Noch nicht einmal Kai Dieckmann,
obwohl der's vorn wie hinten kann.

Dienstag, 1. Mai 2007

Ungern aufgeschnappte Gesprächsfetzen (1)

"Also meine Lieblingsszene in 'Blues Brothers' ist ja die, in der Missy Elliott ihren großen Hit 'Respect' singt. Und deine?"
"Mit wie vielen L und T schreibt die sich eigentlich?"

Sowas sollte man vielleicht auf n T-Shirt drucken... sollte man... vielleicht.


Samstag, 28. April 2007

Gürtelliniensurfen!


Irgendwer-- was fällt dem ein? -- hat einen Shop mit Merchandise (so T-Shirts und so) eingerichtet. Also nee. So nen Quark gibt's da (wie links abgebildet).

Montag, 23. April 2007

Eigenbiers Tierleben



In den 80ern entdeckt, befindet sich die abgerundete Schaltersteckdosekombination in braun-grün-metallic heute auf dem Rückzug aus deutschen Wohnräumen. Hier fotographiert in ihrer natürlichen Umgebung, der Rauhfasertapete, zeigt sich aber, dass es noch Hoffnung gibt.
Das Männchen, rechts im Bild, die Kupferoptikklinke, pirscht sich natürlich getarnt auf Eichenoptiktürenfurnier ans Weibchen heran. Ohne jeden Zweifel wird es zur Paarung kommen. In wenigen Wochen wird man dann sehen können, wie sich der Nachwuchs als pflegeleichter Teppichboden verpuppen wird. Nur selten kann irgendjemand von sich behaupten, Zeuge eines faszinierenderen Schauspiels geworden zu sein.

Donnerstag, 12. April 2007

Unterschätzt! (1)

Mundart auf Aushängen und in Kleinanzeigen:

Dienstag, 10. April 2007

Nein, der Zwerg, das ist ja Otto!


Es war auf internationalem Teppichboden, vor nicht allzu langer Zeit... (Um eine rundere Metapher zu haben, würde ich auch "Parkett" statt "Teppichboden" schreiben, der Wahrheit, ach, entspräch es nicht.) Der Teppichboden war nicht nur international, er war von einer roten Farbe, die das Verschütten von Rotwein ohne das Hinterlassen von Spuren ermöglichte. An den Wänden hingen gerahmte Drucke schlechter, aber historischer Gemälde, die Außenansichten eben jenen historischen Gebäudes zeigten, in welchem man sich befand. Man trank Tee mit Milch; die englische Sprache war das primäre Mittel der Kommunikation. Jemand, Namen zu nennen will ich unterlassen, las aus einer Zeitungsbeilage einen Artikel, eine Meldung, was auch immer... vor. Es hieß darin, es sei gesünder, beim Putzen der Nase, beim Schnäuzen, ein Nasenloch nach dem Anderen vom verstopfenden Sekret zu befreien ("...to blow your nose one nostril at a time").
"Grober Unfug!", dachte ich, doch dachte ich richtig? Als ich mir, kaum war das gehörte verklungen, zum Test die Nase putzte fiel mir auf... "Moment mal! So hab ich mir schon immer die Nase geputzt! Wow!"
Ob es wirklich gesünder ist, weiß ich nicht. Schließlich stimmt ja nicht automatisch alles, was irgendwo geschrieben steht. Sinnvoller aber scheint es mir in jedem Fall. Der Chirurg entfernt ja auch nur aus dem Lungenflügel mit Carcinom Gewebe, "gegenüber" wird ja nicht symmetrisch mitamputiert. Man muss das so sehen wie bei "chirurgischen Miltiärschlägen": Wo der Feind (hier der Rotz) ist, muss man zuschlagen. Linkes Nasenloch verstopft? Puste links etc. Oft, natürlich, gibt's ja dieses Stereosekretaufkommen, das weder links noch rechts vorherrscht, sondern so... mittig erscheint. Auch hier, glaubt's mir, ist's besser... eins nach dem andern. Wahlweise auch: links, rechts, links, rechts... usw. Das verhindert auch dieses gewaltsame Gaumenläppchenvibrieren und schränkt die Geräuschproduktion ein. Keine Melville-Referenzen ("Da bläßt er!") mehr, kein "Das bin ja ich..., Benjamin Blümchen"
-- es sei denn man will sein wie diese japanischen Toiletten, die Spülgeräusche machen, um andere Laute zu übertönen. Ich hingegen mag das leise Rauschen, Gluckern usw. viel lieber als das Schnauben, das Trompeten, bei dem oft nix im Taschentuch bleibt. In diesem Sinne, ein freudiges "Törrööö!" von:
Freimuth Eigenbier

Sonntag, 1. April 2007

Fastenzeit ist's, oh Christenheit

Aus aktuellem Anlass, schließlich wird bis Sonntag (...oder doch Freitag?) gefastet (oder so).


Wo kommen wir eigentlich hin, wenn selbst die "Betroffenen", ihre Bräuche, ihre traditionelle Selbstkasteiung richtigzuschreiben nicht in der Lage sind? Was für Zeiten sind dies? ...außer Aus-Zeit und Fasten-Zeit? Sollten wir nicht einfach mal inne-halten, los-lassen und vielleicht sogar uns be-sinnen? Nein? Auch egal.