Was passiert hier?

Freimuth Eigenbier gibt unaufgefordert Tipps, macht manchmal Cartoons, fotografiert wild in der Gegend rum und ist ferner ein Genie der Alltagslyrik. Kann auch vorkommen, dass er von sich selbst oder über Medienkram schreibt.

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Samstag, 28. Juni 2008

Turniermannschaft vs. Siegermentalität

Vorbemerkung: Deutschland! Sei gewarnt! Fährst du heute Abend wieder mal Autokorso, völlig übertriebenerweise, setzt's ne ordentlich Tracht Prügel! --Dein Freimuth

Das Motto "Kein Applaus für Scheiße", welches ich leider nicht geprägt habe, wird noch bedauerlicherweise seit Beginn der Europameisterschaft im Herrenrasenfußball (ich weiß, heißt irgendwie anders) vermehrt und wiederholt mit Füßen getreten. Extrem unsportlich. War das Vorrundenspiel Deutschland - Österreich ein fröhliches Fußballfest auf hohem Niveau? Nein. Aber ist ja egal -- Hauptsache ist: "wir" sind weiter. Wir kommen immer wieder weiter als wir verdient hätten, wir sind ja schließlich: eine Turniermannschaft!

Nun, wer dieser Tage wieder einmal feststellt, er oder sie sei eine Turniermannschaft, ohne aber auch nur im Kader der DFB-Auswahl oder irgendeiner anderen Mannschaft zu sein-- der ist auch Papst. Zugegeben: im massenpsychologisch bedingten Schwarzrotgoldrausch, auf den kleinen (gefühlten) Reichsparteitagen mit Großbildleinwand in jeder zweiten Kneipe bzw. noch besser auf öffentlichen Plätzen
kann es schon zu außerkörperlichen Erfahrungen kommen, EM-bedingter Entleibung mit Ganzheits- und wichtiger noch Allmachtsphantasie. Streng genommen ist das, was da stattfindet, allerdings mehr Enthirnung als Entleibung.
Dieser Artikel, merk' ich gerade, irrt ein wenig herum-- ihm fehlt quasi der Zug zum Tor. Daher schnell folgende Slogan-Kette, zur Verdeutlichung des Sachverhalts, bzw. als halbherziger Erklärungsversuch:

"Wir sind eine Turniermannschaft" <-> "Du bist Deutschland" <-> "Wir sind Papst"

Während das Konzept "
Turniermannschaft", dass also eine Mannschaft erst in einem Turnier so richtig zusammenwächst und besser und besser wird (zumindest theoretisch) ist an sich eine schöne Sache. Das Stichwort Siegermentalität fällt bei Zeiten auch. Doch Obacht! Das ist das, was man braucht, um nach einem Weltkrieg noch einen anzufangen (und zu verlieren) -- in diesem Sinne: Die Fahne hoch! Hoch die Tassen!

Sonntag, 4. November 2007

Dienstag, 1. Mai 2007

Ungern aufgeschnappte Gesprächsfetzen (1)

"Also meine Lieblingsszene in 'Blues Brothers' ist ja die, in der Missy Elliott ihren großen Hit 'Respect' singt. Und deine?"
"Mit wie vielen L und T schreibt die sich eigentlich?"

Sowas sollte man vielleicht auf n T-Shirt drucken... sollte man... vielleicht.


Sonntag, 18. März 2007

Stille Güte und Angst vor Peter Sloterdijk

Es sei, so Max Goldt zu Beginn des Abends, nicht das erste Mal, dass er auf einem Schiff lese. Das erste Mal allerdings auf einem fahrenden Schiff, das andere habe lediglich vor Anker gelegen und nicht abgelegt. Genau dies tut jedoch das Flaggschiff des Rheinschifffahrtsunternehmen mit dem paradoxen Namen »Köln-Düsseldorfer« im Verlauf der Lesung. Wie es die Ankündigung im »lit.Cologne«-Programm versprach, trägt Goldt aus seinem neuen Buch »QQ« vor, sowie noch weitere neuere Texte (einen zumindest).

Gekonnt und sympathisch, angenehm unglamourös und meistens bescheiden, bestreitet Max Goldt sein Programm, sagt aber auch weniger bescheidene Dinge wie: »Der folgende Text trägt einen schönen Titel, den müsste ich mir eigentlich schützen lassen, damit Peter Sloterdijk ihn mir nicht klaut.« Der Text heißt »Prekariat und Prokrastination« und soll hier als erstes Beispiel für Goldts Essays dienen. Erschienen im Herbst 2006 als Kolumne in der Titanic beschäftigt er sich mit zwei Dingen: dem seinerzeit hochaktuellen und inzwischen etwas verdrängten Thema der sogenannten »neuen Unterschicht« und dem wirklich neuen Namen, der für sie gefunden wurde, einerseits, und dem Phänomen des krankhaften Aufschiebens eigentlich anstehender Arbeiten andererseits. Dieser Text ist beispielhaft für Goldts Talent, Dinge miteinander durch scheinbares Abschweifen zu verbinden, Dinge, zwischen denen der Leser zunächst keine Verbindung zu erkennen vermag. Dabei schreibt er Sätze wie diesen (über den Begriff des »Prekariats«):

Praktisch ist wohl auch, daß diejenigen, um die es geht, die vermeintlich Chancenlosen, eigentlich eher Lethargischen und Resignierten, die nicht mehr kochen und haushalten können und daher früh dick und krank werden, gar nicht merken werden, wenn von ihnen die Rede ist, denn ihr Interesse an neuen soziologischen Fachtermini ist traditionell gering.

Ein anderes Beispiel: »Nein zu Masermontag«. Darin erwägt Goldt die Einführung eines vierten »richtig schön gesellschaftslähmenden und wirtschaftsschädigenden Doppel- bis Dreifachfeiertag« zum Beispiel versuchsweise »Ende der dritten Septemberwoche«. Dieses Fest solle »Masern« heißen, »weil das eben so ist in kultivierten alten Sprachen: Unterschiedliche Dinge tragen den gleichen Namen, und sollte ein Kind an Masern die Masern bekommen würde sich die gleiche Heiterkeit einstellen wie an einem feuchten Tag, an dem man von Gießen nach Regensburg reist.« Dann schildert er dieses Feiertagswochenende, inklusive des sonntäglichen Flanierens entlang der Schaufenster geschlossener Geschäfte und des abschließenden Masermontag, an welchem Fernsehsender ihr Programm mit der Wiederholung von Fünfzigerjahrespielfilmen bestreiten würden. »Nach einem Film dieser Sorte ist man malade, nach zweien multimorbid, nach dreien multimorbid-moribund.« Schließlich plädiert er herzlich gegen die von ihm selbst aufgeworfene Idee und für eine Straffung der »zerdehnten Hauptfeste« Weihnachten, Ostern und Pfingsten.

Max Goldt schafft große Unterhaltung, ruft lautes, herzhaftes Lachen ebenso hervor wie stilles Staunen – über ausgefeilte Satzgebilde, die ihresgleichen suchen, über Gedankengänge und Gedankenwindungen, die ohnegleichen sind. In seinem Klappentextgejubel meint der vielgelesene Erfolgsjungautor Daniel Kehlmann, der mit Ruhm und Auszeichnungen bereits bedacht wurde: »Max Goldt gehört gelesen, gerühmt und auszeichnet.« Dem muss man nicht zwingend zustimmen, denn was Goldt auszeichnet ist die stille Größe, stille Güte – die »quiet quality«, die dem Buch »QQ« den Namen gab.

Es war wohl eine Lesung, wie Max Goldt sie in den nächsten Monaten im Dutzend bestreiten wird. Die wunderbare Kombination mit nächtlicher Lichterfahrt auf dem Rhein gab der Veranstaltung allerdings ein erinnerungswürdiges Ambiente, sodass die Frage, »Was ist die lit.Cologne eigentlich außer einem Haufen Lesungen, die ›zufällig‹ in der gleichen Woche stattfinden?« guten Gewissens mit einem »Manchmal etwas wirklich Besonderes« beantwortet werden kann.

Max Goldt: »QQ«, Berlin: Rowohlt 2007. 224 Seiten. ISBN: 3871345814. 17,90 Euro.
Sowie als Doppel-CD bei Hörbuch Hamburg, Laufzeit 150 Min. ISBN: 3899034090. 19,00 Euro.

Tourdaten, sowie die gemeinsam mit Stephan Katz verfassten Comics finden sich unter www.katzundgoldt.de.

Dienstag, 13. März 2007

Am Versuch des Unmöglichen gescheitert

Ein Dia-Abend mit Rattelschneck im Rahmen der »lit.Cologne« / Kulturkirche Nippes, Montag, 12. März 2007

Wer oder was ist Rattelschneck? »Die ganze Süße der Jugend« – glaubt man Wiglaf Droste. Walter Moers meint schlicht: »Gott«. Unter dem Namen Rattelschneck veröffentlichen die Zeichner Marcus Weimer und Olav Westphalen Cartoons, zum Beispiel jedes Wochenende in der Süddeutschen Zeitung. Der Rattelschnecksche Stil lässt sich nicht leicht beschreiben. Jedenfalls nicht, ohne zu einfallslosen Worten wie »herrlich schräg« oder voreilig und unangemessen zu Begriffen wie »Dadaismus« zu greifen.

Mit Kugelschreiber gezeichnet und liebevoll mit Wasserfarben koloriert möge man sich Folgendes vorstellen: Ein Kleintierkäfig, neben dem Laufrad ein Häuschen mit der Aufschrift »Zum Laufrad«, davor zwei Hamster (vermutlich, es könnten aber auch Meerschweinchen sein), und der Eine spricht zum Anderen: »Kommst du mit ins Laufrad?« – Antwort: »…wenn du die Kneipe meinst.«
Nicht lustig? Zum Nachzuerzählen eignen sich Comics und Karikaturen im Allgemeinen bereits nur schwerlich, Rattelschneck überhaupt nicht.
Meisterhaft sind Weimer und Westphalen auf dem Gebiet des Einbildcartoons, wobei das Ziel nicht die klassische Pointe ist, sondern der Weg dorthin. Nicht das Schenkelklopfen, das vor Lachen sich Ausschütten ist es, wozu Rattelschneck animiert, eher das stille Schmunzeln und das in sich Hineinlachen.

Wie soll man sich nun eine Dia-unterstützte Lesung von Rattelschneck vorstellen? Vielleicht sollte als Antwort genügen: lieber gar nicht.
Die Pforten der Lutherkirche, die sich als Veranstaltungsort »Kulturkirche« nennt, öffnen sich mit deutlicher Verspätung. Ihnen sei auf dem Weg das Benzin ausgegangen, so die Erklärung. Unter der Leinwand im Altarbereich sehen Weimer und Westphalen etwas verloren aus. Technische Probleme (die Diashow wird umständlich abgefilmt und das Kamerabild per Beamer projiziert) behindern den gesamten Ablauf des Abends. Leider sind Rattelschneck nicht Entertainer oder auch nur Rampensau genug, um das gekonnt zu überspielen. Irgendwie unbeholfen wirken sie vor (erstaunlich) großem Publikum. Fast bemüht komisch, bemüht auch um die Pointe. Mit verstellten Stimmen werden die Bildreihen vorgelesen, und irgendwie kommt immer wieder der Wunsch auf, lieber selbst und für sich zu lesen, für sich zu lachen. Auch die grandiosen Einbildcartoons kommen zu kurz, der Schwerpunkt ist eher die kurze Bildgeschichte, mit Tendenz zur Zote. Subtiler Witz verkommt auf der Bühne schnell zu Comedy-Klamauk, und auf dem Weg nach innen bleibt das Lachen auf der Strecke.

Man kann Weimer und Westphalen nicht vorwerfen, am Unmöglichen zu scheitern. Ihre Cartoons lassen sich ebenso wenig erzählen wie nacherzählen. Nicht nur die Paraphrase ist tödlich für die Satire, sondern auch das Aufblasen. Kleine stechende Mücken eignen sich nicht als große trampelnde Elefanten. (Wobei Rattelschneck in dieser Metaphorik eher eine dicke betrunkene Hummel wäre.)
Was ist denn jetzt Rattelschneck eigentlich? Gemessen am Live-Auftritt? Auf dem Papier besser.

Sonntag, 25. Februar 2007

Gesamtschule 10te Klasse 1994

Die Kür des Volkssports Kalauern - ein Laster, welchem ich, zugegeben, auch etwas zu gern fröne - ist das Abimotto. Sei es die ABIkalypse (mögliche Zusätze: "...now" oder "nach uns die Sintflut" - wobei Bibelkundige wissen, dass zwischen Sintflut und Apokalypse kein Zusammenhang besteht, bestehen kann), ABItours, ABI macht frei (das gefällt mir sogar), ABIpunktur (wtf?), ABIgasmus oder oder oder so. Alles nur mäßig lustig. Wenige Überraschungen.

Schöner Vorteil dieses Jahr: das Motto Abi 007 kann benutzt werden. Möglicher Zusatz: "Lizenz zum Abgehen!" (Hahaha, Doppeldeutigkeit! Hahaha!)

Ich jedenfalls freue mich verhalten (äußerst verhalten) auf all die sorgfältig ausgeschnittenen Schriftzüge in Autoheckscheiben. Am schönsten sind die, wenn's nur zeitweise Abiturientenautos sind und man Mütter auf Supermarktparkplätzen Polos und Corsas, Clios und Fiestas entsteigen sieht, die aller Welt verkünden: "ABIsutra '07 ...jetzt gehen wir auf Stellungssuche!"


Sonntag, 10. September 2006

Ohne Kommentar (2)


Quelle: Flugblatt der Deutschen Bahn zum Papstbesuch

Mittwoch, 6. September 2006

Ohne Kommentar (1)

Aufgelesen in einem Germanisten-Forum (zum Thema 'Lieblingsbücher')

[...] schrieb
am 20.08.2006 um 02:41 Uhr
Ich liebe Kafka, aber ich liebe auch Heines Werke, speziell die Lyrik.
Ansonsten mag ich Ken Folett sehr.


[...] schrieb
am 15.08.2006 um 21:47 Uhr
Die Sachen von Paulo Coelho, auch wenn die für den Vollblutgermanisten bestimmt nicht künstlerisch genug sind. Geht mehr um den Inhalt. [...]

(Anonymisierung: FE.)

Donnerstag, 31. August 2006

Verpasste Gelegenheit Nr.1

Neulich traf ich Bono beim Koksen auf dem Klo, da geigte ich ihm so richtig die Meinung. Als Bob Geldof hinzustieß erkannte ich eine wunderbare Gelegenheit, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zu blöd, dass ich dann aufwachte. Scheiße aber auch.