Was passiert hier?

Freimuth Eigenbier gibt unaufgefordert Tipps, macht manchmal Cartoons, fotografiert wild in der Gegend rum und ist ferner ein Genie der Alltagslyrik. Kann auch vorkommen, dass er von sich selbst oder über Medienkram schreibt.

Montag, 19. Mai 2008

Mussolini in den Pontinischen Sümpfen


...ruft was? Genau: "Trockenlegen! Trockenlegen!" -- die kurze und konfuse Rezension zu Charlotte Roches Bestseller "Feuchtgebiete"

Denis Scheck lag fast auf ganzer Linie richtig, als er sprach (in seiner Sendung "Druckfrisch", am 6. April):
"Zu den hehrsten Aufgaben der Literatur zählt, dem Meer des Unsagbaren ein Stück neues Land abzuringen. Das leistet "Feuchtgebiete" zweifellos: hier wird ein Tabu geknackt wird: in diesem Fall das Tabu von Intimhygiene und Analsex. Allerdings hat das nach 20, 30 Seiten auch der größte Dämel begriffen, und dann, ja dann kommt der Roman. Ohne nun als Korinthenkacker dastehen zu wollen, ist das freundlichste, was ich über die wahnsinnig brave und biedere Handlung dieses Romans sagen kann, dass sie mir am Arsch vorbeigeht." (Link mit Video)

In der Tat geht einem das Buch ebendort entlang oder vorbei. Allerdings benennt Scheck das Problem nicht, daher folgende beinahe repräsentative Uminterpretation zur Verdeutlichung:

Pipi popo kaka. Pipi popo kaka. Pipi popo kaka. Pipi popo kaka. Pipi popo kaka. Rasierschaum. Pipi popo kaka. Avocados. Pipi popo kaka. Sperma! Kaka, popo, pipi. Speichel! Pipi popo kaka. Menstruationsblut. Kaffee. Kaka. Popo. Blut. Popo. Kaka. Pipi.
Aus.

Die Handlung geht deshalb am Ort des eigenen Geschehens vorbei, weil sie so hauchdünn und in die ganze Bredouille reinkonstruiert ist, dass man ...ja was eigentlich? Laut schreien will? Müde entschläft? Dass man ab und an, zumindest am Anfang noch, lachen kann? ... geschenkt. Ach nee!
€ 14,90!

(Weiterführendes zum Thema? Hier oder halt auch hier.)

Freitag, 2. Mai 2008

Väter, hört die Signale!


Schade,
...dass mir erstens dieser Titel nicht schon früher, gestern zum Beispiel, eingefallen ist.
...und dass, zweitens, ein Text zu diesem Titel nicht existiert. Der hätte sich dann schön mit den Widrigkeiten des aktuellen Kalenderjahres beschäftigen können! Ostern so früh, dementsprechend früh Karneval / Fastnacht / Fasching, auch Pfingsten! UND! Oh Graus! Eben gestern: Christi Himmelfahrt am 1. Mai -- und mit Christi Himmelfahrt für gottlose und quartalssaufende Bollerwagenpiloten eben Vatertag! Bitter, bitter, bitter.
...und noch trauriger ist, das Bild will so gar nicht passen.
Was soll's. Zurück an die Arbeit, Väter ...und Mütter! Und Sie, ja Sie! Sie fahren jetzt gefälligst mal gen Himmel auf, ja?


Montag, 28. April 2008

Luxusprobleme


Wenn Olli Kahn demnächst viel Freizeit hat, werden eventuell die Länderspiel-Übertragungen des ZDF noch weiter über die Grenze des Erträglichen hinaus gedrängt. Schlimmer aber ist, dass man kaum noch wird ins P1 gehen können. Mist aber auch.

Samstag, 12. April 2008

'Bild' ist besser als Gott

Vorab eine Abschweifung, wenn nicht gar ein theologischer Exkurs:
Eines hab ich nie verstanden-- ist nicht der Sündenfall die Voraussetzung dafür, dass Adam seine Frau Eva erkennt und sie in Folge dessen schwanger wird (1.Mose, 4:1). Ist also nicht der Sündenfall (1.Mose, 3) Voraussetzung dafür, dass der Mensch Gottes Weisung, "seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde" (1.Mose, 1:28) gerecht wird? Paradox, oder?

Es wird noch besser: Wer hat das eigentlich lektoriert? 1.Mose 1:27, ich zitiere: "Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; schuf sie als Mann und Weib." (meine Hervorhebung) -- Kurz darauf, 1.Mose, 2:18, "Und der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei." (Luthers Hervorhebungen, bzw. die meiner Ausgabe, das mit dem "HERR" ist aber allgemein üblich) ..und dann kommt das mit der Rippe -- also was jetzt? Erst Mann dann Frau, oder beides zugleich, und dann noch ne Frau? (Nachtrag, nach Rücksprache mit theologischen Fachleuten, 15.4.08: Hierbei handelt es sich um zwei verschiedene Versionen, verschiedener Entstehungszeit, welche nebeneinander überliefert wurden.)
So. Jetzt zur aktuellen Bild-Kampagne.

Mal angenommen Sie wurden gerade in nen frisch geschaffenen Garten Eden geschmissen, bzw. aus der Rippe ihres Mannes geformt, der vorher in eben jenen Garten geschmissen worden war und der liebe Gott sagt Ihnen, Sie dürfen sich überall bedienen, dem Schwein, das vorbeiläuft wuchtig in die Hüfte beißen, zum Beispiel, oder vom Steakbaum naschen, während Ihnen die Brathähnchen in den offenen Mund flattern (kann sein, dass ich Genesis und Schlaraffenland n bisschen durcheinanderbringe)-- NUR! nur vom Baum der Erkenntnis (von Gut und Böse) dürfense nicht essen. Zuviel verlangt? Eigentlich nicht. Wenn Gott das sagt. Sollten Sie nun, wie auch immer, direkt durch ne Schlange, oder indirekt von der verführten Frau in Versuchung geführt werden, Gottes Weisung zuwider doch von eben jenem Baume zu essen... na dann würden Sie, die sie zu zweit auf der Welt sind, doch bestimmt zuerst in die Bild-Zeitung gucken, oder? Auf die kann man sich doch verlassen.

Wie genau passt eigentlich die Genesis in der Bild-Kampagne mit den Dinosauriern zusammen, welche Bild vor nem nahenden Asteroiden gewarnt hätte? Und, wenn die hätten lesen können und Axel Springer damals schon für die Einheit Deutschlands etc. geschrieben hätte, was, ja was in aller Welt hätten die gemacht? Bunker gebaut?


Mittwoch, 9. April 2008

Broder will nicht von Joy Fleming träumen

Hart aber fair beschäftigt sich heute abend, gerade im Augenblick quasi, mit dem Thema "Superstar statt Fleißarbeit - Verfällt ein Land dem Casting-Wahn?" -- Die Frage beantworte ich mal schnell: Jein.
Ich persönlich kann nicht verstehen, dass die jüngste Staffel des aus England importierten Format Pop Idol, hierzulande DSDS, immer noch millionenfach Zuschauer findet. Ärgerlich ist aber, dass man beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen erstens meint, das Konzept in zahm zu kopieren zu können und zweitens auch in einer eigentlich meist ernstzunehmenden Polit-Talk-Show meint sich damit, vermutlich auf Quote hoffend, beschäftigen zu müssen.
An der Diskussion nehmen neben dem ehemaligen Jury-Mitglieds und ebenso ehemaligen BMG-Manager Thomas M. Stein und dem Erst-Staffel-Teilnehmer Küblböck, der sich gar nicht mal so schlecht schlägt, selbst mit (und dessen Anwesenheit wundert mich) Henry M. Broder (der hat dazu wohl ne Meinung zum Thema, überzeugt in der Sendung aber eher nicht, meiner Meinung nach). Zur Ihrer Information: das Mittel-M bei Broder steht für Modest, das bei Herrn Stein für Michael.
So. Jetzt ist der Eintrag auch schon vorbei und den Titel hab ich nicht erklärt. Einfach die Wiederholung gucken oder im Internet.


Freitag, 28. März 2008

MC Ärmelschoner feat. Ratzefummel & Bleistift

Ja... was, was in aller Welt, soll man dazu sagen? Dazu, mein ich.
Vielleicht, dass es so etwas wie freiwillige, beabsichtigte "unfreiwillige Komik" gibt. Was streng genommen scheinbar unfreiwillige Komik, also als unbeabsichtigt inszenierte Komik ist; man könnte auch sagen: Selbstridikülierung, gezielt, jedoch getarnt als sympathische Trotteligkeit. Unterm Strich? Unsympathisch und -- hier schließt sich der Kreis, hier beißt sich die Katze in den Schwanz: lächerlich. Was ist im allgemeinen so genannte "unfreiwillige Komik" anderes als ein sich Lächerlichmachen? Wenn man sich nun aber gezielt lächerlich macht, ist dies nicht komisch, sondern traurig. Es ist das traurige Betteln um Aufmerksamkeit, das sich mit Kakerlaken überschütten lassen, das Singen wider besseres Können vor Dieter Bohlen.
Demjenigen Leser, der Links nicht direkt klickt, und sich meiner Sprachgewalt im vorangegangen Absatz erfreuen durfte, ohne zu wissen, wovon ich sprach, sei nun beschrieben worum's überhaupt geht: Irgendjemand im Finanzministerium, bzw. in dessen Propagandaabteilung ... Pardon: Referat Öffentlichkeitsarbeit muss eine Werbeaktion abgesegnet haben, die Bundesfinanzminister Peer Steinbrück als RAP-P€€R der Nation darstellt. In einer putzigen, interaktiven Flashanimation wird man folgendermaßen angeleitet: "Choose einen Beat, drag die Raps in die Timeline und verschicke deinen Track!"
Man kann also einem wählbaren Instrumentalstück diverse Sprachfetzen Steinbrücks hinzufügen ("I love cash" usw. usf.). Hinter zwei Plattenspielern hüpft der Minister, den man optisch anpassen kann: "Pimp da hat", "Pimp the style", doch am Besten ist: "Pimp the face"... wie bei solchen sinnfreien Spielen üblich kann man also das Konterfei Steinbrücks dem individuellen Geschmack anpassen. Das anfängliche Shirt mit dem Aufdruck "P€€RLIN Hauptstadt City" (Genau: wtf?), lässt sich so zum Beispiel durch einen gestählten Ex-Häftlingsoberkörper ersetzen, diverse Mützen lassen sich wählen, einen Afro kann man ihm geben... aber dem Gesicht -- und das ist gut! -- dem kann man, außer Sonnenbrillen, goldenem Gebiss und einem Nelly-Pflaster, ...einen Kurt-Beck-Bart geben. Absurd? Ja. Komisch? Auch. Unfreiwillig? Wer weiß, siehe oben. Wie das ganze eben. Na... wenn sich da mal nicht jemand in der Werbeagentur nen Scherz erlaubt hat.
Wie auch immer, diese Aktion wird genauso untergehen wie der Hamsterfilm, der in seiner Bildmetaphorik reichlich sinnfrei war und übrigens auch im Rap-P€€R-Spiel verlinkt ist (Easteregg!). Das für solcherlei Aktionen ausgegebene Geld hätte man im Dienste der Haushaltkonsolidierung mal gut sparen können.

(mit Dank an Fabe für den Hinweis)


Montag, 24. März 2008