
Wenn Olli Kahn demnächst viel Freizeit hat, werden eventuell die Länderspiel-Übertragungen des ZDF noch weiter über die Grenze des Erträglichen hinaus gedrängt. Schlimmer aber ist, dass man kaum noch wird ins P1 gehen können. Mist aber auch.
Was passiert hier?
Freimuth Eigenbier gibt unaufgefordert Tipps, macht manchmal Cartoons, fotografiert wild in der Gegend rum und ist ferner ein Genie der Alltagslyrik. Kann auch vorkommen, dass er von sich selbst oder über Medienkram schreibt.
Montag, 28. April 2008
Luxusprobleme
um 01:36 0 Kommentare Kategorie(n): Foto, Medien, Philosophie
Samstag, 12. April 2008
'Bild' ist besser als Gott
Vorab eine Abschweifung, wenn nicht gar ein theologischer Exkurs:
Eines hab ich nie verstanden-- ist nicht der Sündenfall die Voraussetzung dafür, dass Adam seine Frau Eva erkennt und sie in Folge dessen schwanger wird (1.Mose, 4:1). Ist also nicht der Sündenfall (1.Mose, 3) Voraussetzung dafür, dass der Mensch Gottes Weisung, "seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde" (1.Mose, 1:28) gerecht wird? Paradox, oder?
Es wird noch besser: Wer hat das eigentlich lektoriert? 1.Mose 1:27, ich zitiere: "Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; schuf sie als Mann und Weib." (meine Hervorhebung) -- Kurz darauf, 1.Mose, 2:18, "Und der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei." (Luthers Hervorhebungen, bzw. die meiner Ausgabe, das mit dem "HERR" ist aber allgemein üblich) ..und dann kommt das mit der Rippe -- also was jetzt? Erst Mann dann Frau, oder beides zugleich, und dann noch ne Frau? (Nachtrag, nach Rücksprache mit theologischen Fachleuten, 15.4.08: Hierbei handelt es sich um zwei verschiedene Versionen, verschiedener Entstehungszeit, welche nebeneinander überliefert wurden.)
So. Jetzt zur aktuellen Bild-Kampagne.
Eines hab ich nie verstanden-- ist nicht der Sündenfall die Voraussetzung dafür, dass Adam seine Frau Eva erkennt und sie in Folge dessen schwanger wird (1.Mose, 4:1). Ist also nicht der Sündenfall (1.Mose, 3) Voraussetzung dafür, dass der Mensch Gottes Weisung, "seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde" (1.Mose, 1:28) gerecht wird? Paradox, oder?
Es wird noch besser: Wer hat das eigentlich lektoriert? 1.Mose 1:27, ich zitiere: "Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; schuf sie als Mann und Weib." (meine Hervorhebung) -- Kurz darauf, 1.Mose, 2:18, "Und der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei." (Luthers Hervorhebungen, bzw. die meiner Ausgabe, das mit dem "HERR" ist aber allgemein üblich) ..und dann kommt das mit der Rippe -- also was jetzt? Erst Mann dann Frau, oder beides zugleich, und dann noch ne Frau? (Nachtrag, nach Rücksprache mit theologischen Fachleuten, 15.4.08: Hierbei handelt es sich um zwei verschiedene Versionen, verschiedener Entstehungszeit, welche nebeneinander überliefert wurden.)
So. Jetzt zur aktuellen Bild-Kampagne.
Mal angenommen Sie wurden gerade in nen frisch geschaffenen Garten Eden geschmissen, bzw. aus der Rippe ihres Mannes geformt, der vorher in eben jenen Garten geschmissen worden war und der liebe Gott sagt Ihnen, Sie dürfen sich überall bedienen, dem Schwein, das vorbeiläuft wuchtig in die Hüfte beißen, zum Beispiel, oder vom Steakbaum naschen, während Ihnen die Brathähnchen in den offenen Mund flattern (kann sein, dass ich Genesis und Schlaraffenland n bisschen durcheinanderbringe)-- NUR! nur vom Baum der Erkenntnis (von Gut und Böse) dürfense nicht essen. Zuviel verlangt? Eigentlich nicht. Wenn Gott das sagt. Sollten Sie nun, wie auch immer, direkt durch ne Schlange, oder indirekt von der verführten Frau in Versuchung geführt werden, Gottes Weisung zuwider doch von eben jenem Baume zu essen... na dann würden Sie, die sie zu zweit auf der Welt sind, doch bestimmt zuerst in die Bild-Zeitung gucken, oder? Auf die kann man sich doch verlassen.Wie genau passt eigentlich die Genesis in der Bild-Kampagne mit den Dinosauriern zusammen, welche Bild vor nem nahenden Asteroiden gewarnt hätte? Und, wenn die hätten lesen können und Axel Springer damals schon für die Einheit Deutschlands etc. geschrieben hätte, was, ja was in aller Welt hätten die gemacht? Bunker gebaut?
um 11:57 0 Kommentare Kategorie(n): Foto, Medien, Philosophie
Mittwoch, 9. April 2008
Broder will nicht von Joy Fleming träumen
Hart aber fair beschäftigt sich heute abend, gerade im Augenblick quasi, mit dem Thema "Superstar statt Fleißarbeit - Verfällt ein Land dem Casting-Wahn?" -- Die Frage beantworte ich mal schnell: Jein.
Ich persönlich kann nicht verstehen, dass die jüngste Staffel des aus England importierten Format Pop Idol, hierzulande DSDS, immer noch millionenfach Zuschauer findet. Ärgerlich ist aber, dass man beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen erstens meint, das Konzept in zahm zu kopieren zu können und zweitens auch in einer eigentlich meist ernstzunehmenden Polit-Talk-Show meint sich damit, vermutlich auf Quote hoffend, beschäftigen zu müssen.
An der Diskussion nehmen neben dem ehemaligen Jury-Mitglieds und ebenso ehemaligen BMG-Manager Thomas M. Stein und dem Erst-Staffel-Teilnehmer Küblböck, der sich gar nicht mal so schlecht schlägt, selbst mit (und dessen Anwesenheit wundert mich) Henry M. Broder (der hat dazu wohl ne Meinung zum Thema, überzeugt in der Sendung aber eher nicht, meiner Meinung nach). Zur Ihrer Information: das Mittel-M bei Broder steht für Modest, das bei Herrn Stein für Michael.
So. Jetzt ist der Eintrag auch schon vorbei und den Titel hab ich nicht erklärt. Einfach die Wiederholung gucken oder im Internet.
Ich persönlich kann nicht verstehen, dass die jüngste Staffel des aus England importierten Format Pop Idol, hierzulande DSDS, immer noch millionenfach Zuschauer findet. Ärgerlich ist aber, dass man beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen erstens meint, das Konzept in zahm zu kopieren zu können und zweitens auch in einer eigentlich meist ernstzunehmenden Polit-Talk-Show meint sich damit, vermutlich auf Quote hoffend, beschäftigen zu müssen.
An der Diskussion nehmen neben dem ehemaligen Jury-Mitglieds und ebenso ehemaligen BMG-Manager Thomas M. Stein und dem Erst-Staffel-Teilnehmer Küblböck, der sich gar nicht mal so schlecht schlägt, selbst mit (und dessen Anwesenheit wundert mich) Henry M. Broder (der hat dazu wohl ne Meinung zum Thema, überzeugt in der Sendung aber eher nicht, meiner Meinung nach). Zur Ihrer Information: das Mittel-M bei Broder steht für Modest, das bei Herrn Stein für Michael.
So. Jetzt ist der Eintrag auch schon vorbei und den Titel hab ich nicht erklärt. Einfach die Wiederholung gucken oder im Internet.
um 22:08 1 Kommentare Kategorie(n): Medien, Spontanartikel
Freitag, 28. März 2008
MC Ärmelschoner feat. Ratzefummel & Bleistift
Ja... was, was in aller Welt, soll man dazu sagen? Dazu, mein ich.
Vielleicht, dass es so etwas wie freiwillige, beabsichtigte "unfreiwillige Komik" gibt. Was streng genommen scheinbar unfreiwillige Komik, also als unbeabsichtigt inszenierte Komik ist; man könnte auch sagen: Selbstridikülierung, gezielt, jedoch getarnt als sympathische Trotteligkeit. Unterm Strich? Unsympathisch und -- hier schließt sich der Kreis, hier beißt sich die Katze in den Schwanz: lächerlich. Was ist im allgemeinen so genannte "unfreiwillige Komik" anderes als ein sich Lächerlichmachen? Wenn man sich nun aber gezielt lächerlich macht, ist dies nicht komisch, sondern traurig. Es ist das traurige Betteln um Aufmerksamkeit, das sich mit Kakerlaken überschütten lassen, das Singen wider besseres Können vor Dieter Bohlen.
Demjenigen Leser, der Links nicht direkt klickt, und sich meiner Sprachgewalt im vorangegangen Absatz erfreuen durfte, ohne zu wissen, wovon ich sprach, sei nun beschrieben worum's überhaupt geht: Irgendjemand im Finanzministerium, bzw. in dessen Propagandaabteilung ... Pardon: Referat Öffentlichkeitsarbeit muss eine Werbeaktion abgesegnet haben, die Bundesfinanzminister Peer Steinbrück als RAP-P€€R der Nation darstellt. In einer putzigen, interaktiven Flashanimation wird man folgendermaßen angeleitet: "Choose einen Beat, drag die Raps in die Timeline und verschicke deinen Track!"
Man kann also einem wählbaren Instrumentalstück diverse Sprachfetzen Steinbrücks hinzufügen ("I love cash" usw. usf.). Hinter zwei Plattenspielern hüpft der Minister, den man optisch anpassen kann: "Pimp da hat", "Pimp the style", doch am Besten ist: "Pimp the face"... wie bei solchen sinnfreien Spielen üblich kann man also das Konterfei Steinbrücks dem individuellen Geschmack anpassen. Das anfängliche Shirt mit dem Aufdruck "P€€RLIN Hauptstadt City" (Genau: wtf?), lässt sich so zum Beispiel durch einen gestählten Ex-Häftlingsoberkörper ersetzen, diverse Mützen lassen sich wählen, einen Afro kann man ihm geben... aber dem Gesicht -- und das ist gut! -- dem kann man, außer Sonnenbrillen, goldenem Gebiss und einem Nelly-Pflaster, ...einen Kurt-Beck-Bart geben. Absurd? Ja. Komisch? Auch. Unfreiwillig? Wer weiß, siehe oben. Wie das ganze eben. Na... wenn sich da mal nicht jemand in der Werbeagentur nen Scherz erlaubt hat.
Wie auch immer, diese Aktion wird genauso untergehen wie der Hamsterfilm, der in seiner Bildmetaphorik reichlich sinnfrei war und übrigens auch im Rap-P€€R-Spiel verlinkt ist (Easteregg!). Das für solcherlei Aktionen ausgegebene Geld hätte man im Dienste der Haushaltkonsolidierung mal gut sparen können.
(mit Dank an Fabe für den Hinweis)
Vielleicht, dass es so etwas wie freiwillige, beabsichtigte "unfreiwillige Komik" gibt. Was streng genommen scheinbar unfreiwillige Komik, also als unbeabsichtigt inszenierte Komik ist; man könnte auch sagen: Selbstridikülierung, gezielt, jedoch getarnt als sympathische Trotteligkeit. Unterm Strich? Unsympathisch und -- hier schließt sich der Kreis, hier beißt sich die Katze in den Schwanz: lächerlich. Was ist im allgemeinen so genannte "unfreiwillige Komik" anderes als ein sich Lächerlichmachen? Wenn man sich nun aber gezielt lächerlich macht, ist dies nicht komisch, sondern traurig. Es ist das traurige Betteln um Aufmerksamkeit, das sich mit Kakerlaken überschütten lassen, das Singen wider besseres Können vor Dieter Bohlen.
Demjenigen Leser, der Links nicht direkt klickt, und sich meiner Sprachgewalt im vorangegangen Absatz erfreuen durfte, ohne zu wissen, wovon ich sprach, sei nun beschrieben worum's überhaupt geht: Irgendjemand im Finanzministerium, bzw. in dessen Propagandaabteilung ... Pardon: Referat Öffentlichkeitsarbeit muss eine Werbeaktion abgesegnet haben, die Bundesfinanzminister Peer Steinbrück als RAP-P€€R der Nation darstellt. In einer putzigen, interaktiven Flashanimation wird man folgendermaßen angeleitet: "Choose einen Beat, drag die Raps in die Timeline und verschicke deinen Track!"
Man kann also einem wählbaren Instrumentalstück diverse Sprachfetzen Steinbrücks hinzufügen ("I love cash" usw. usf.). Hinter zwei Plattenspielern hüpft der Minister, den man optisch anpassen kann: "Pimp da hat", "Pimp the style", doch am Besten ist: "Pimp the face"... wie bei solchen sinnfreien Spielen üblich kann man also das Konterfei Steinbrücks dem individuellen Geschmack anpassen. Das anfängliche Shirt mit dem Aufdruck "P€€RLIN Hauptstadt City" (Genau: wtf?), lässt sich so zum Beispiel durch einen gestählten Ex-Häftlingsoberkörper ersetzen, diverse Mützen lassen sich wählen, einen Afro kann man ihm geben... aber dem Gesicht -- und das ist gut! -- dem kann man, außer Sonnenbrillen, goldenem Gebiss und einem Nelly-Pflaster, ...einen Kurt-Beck-Bart geben. Absurd? Ja. Komisch? Auch. Unfreiwillig? Wer weiß, siehe oben. Wie das ganze eben. Na... wenn sich da mal nicht jemand in der Werbeagentur nen Scherz erlaubt hat.
Wie auch immer, diese Aktion wird genauso untergehen wie der Hamsterfilm, der in seiner Bildmetaphorik reichlich sinnfrei war und übrigens auch im Rap-P€€R-Spiel verlinkt ist (Easteregg!). Das für solcherlei Aktionen ausgegebene Geld hätte man im Dienste der Haushaltkonsolidierung mal gut sparen können.
(mit Dank an Fabe für den Hinweis)
um 12:06 0 Kommentare Kategorie(n): Anderer Leute Humor, Medien, Politik
Montag, 24. März 2008
Donnerstag, 13. März 2008
Hypothetisches Szenario
Lägen in den sanitären Einrichtungen diverser Etablissements Gästebücher aus, so könnte man zum Beispiel solches dort niederschreiben:
"Das war das schönste Plastikefeu, welches ich jemals hinter einen Spiegel über einem Waschbecken geklemmt sah. Wirklich. Gerne werde ich wiederkommen, dieses Grün in seiner Ewigkeit und Zeitlosigkeit zu bewundern."
"Das war das schönste Plastikefeu, welches ich jemals hinter einen Spiegel über einem Waschbecken geklemmt sah. Wirklich. Gerne werde ich wiederkommen, dieses Grün in seiner Ewigkeit und Zeitlosigkeit zu bewundern."
um 01:08 0 Kommentare Kategorie(n): Selbstreferenz, Spontanartikel
Sonntag, 2. März 2008
"...mit dem Zweiten sinkt man besser"
"In der heutigen Ostsee-Folge des "Traumschiff" (20.15h, ZDF) ist wieder einiges los. Menschliches Drama vor aufregend maritimer Kulisse, von Gotenhafen nach Kiel ist die geplante Route. Höhepunkt ist die Unterwasser-Show der russischen Feuerwerker..." Ach nee. Ist erstens nicht soo lustig und außerdem ist dieser Vergleich anderen auch schon eingefallen (siehe unten, Link folgt). Dass zumindest der erste Teil auf dem Sendeplatz läuft, der sonst dem "Traumschiff" vorbehalten ist, zwingt aber zu solcherlei böser Witzischkeit.
Wie auch immer, heute abend geht im Fernsehen "Die Gustloff" unter, und mit ihr hoffentlich Heiner Lauterbach, Kai Wiesinger und Francis Fulton-Smith (wer öfter sonntags ZDF schaut, bekommt also ein bekanntes, Pilcher-geprüftes Gesicht).
Ob der Film nun Opfermacherei ist, und damit revisionistisch und Holocaust-relativierend, und ob man das auch Grass für seinen "Krebsgang" vorwerfen kann, soll, will ... ist mir zwar nicht schnurz, aber wenigstens schnuppe. Interessant ist das drumrum und tam-tam aber alle mal. Wie der Vilsmaier-Film ist kann ich jetzt natürlich nicht sagen, der läuft ja auch erst um acht, ich will den geneigten Leser allerdings auf zwei Rezensionen hinweisen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Evelyn Finger wundert sich, "dass Guido Knopps Geschichtswerkstatt einmal einen konsequent antirevisionistischen Antikriegsfilm über das Ende des Dritten Reichs produzieren [kann]. Ausgerechnet der Untergang der 'Wilhelm Gustloff', des berühmten Passagierdampfers, der am 30. Januar 1945 in der Ostsee sank, ist jetzt ohne jede nationale Selbstgerechtigkeit verfilmt worden."
(...in der Wochenschau der aktuellen ZEIT, ebenso online)
Gehen wir mal davon aus, dass Frau Finger den Film gesehen hat und lesen andernorts weiter.
Christian Buß schreibt für SPIEGEL-online, dass "die schlimmste Schiffskatastrophe aller Zeiten gerade groß genug [sei], um noch einmal jenes alte Lied anzustimmen, nach dem ein paar perfide Nazis ihre Leute in den Untergang getrieben haben." Vilsmaiers Film setze ein "schiefes Sinnbild in Szene [...]: Da säuft ein Volk von Unschuldigen ab."
Streng genommen kann diese diametrale Opposition der zwei Artikel nur naive Gemüter in Staunen versetzen, die denken, es gäbe so etwas wie eine einzige absolute Wahrheit; die gibt's nämlich nicht. (Aber glauben Sie das jetzt nicht einfach so, schließlich steht's ja nur irgendwo im Internet.)
Es ist aber auch schön, wie weit die Diskrepanz geht. Finger findet nämlich den Fernsehfilm "Dresden" genauso schlimm wie "Untergang", und "Flucht" und sieht alle als Teil eines "Exzess[es] des Selbstmitleids".
Buß hingegen findet:
"[...] Wo das grandiose Kriegsmelodram 'Dresden' vor dem Hintergrund des britischen Bombardements feinnervig von der faschistischen Durchdringung auch kleinster sozialer Zellen berichtete, perlt sämtlicher ideologischer Schmutz an den guten Deutschen auf der 'Gustloff' ab."
Ich gehe trotz allem davon aus, dass beide den gleichen Film gesehen haben. Aber wer die Überschrift des Buß-Artikel gewählt hat, dem gehört wirklich auf die Finger gehauen. Aus dem letzten Satz, "Tut-tut, hier kommt der Antifa-Dampfer" wird nämlich "...Opfer-Dampfer". Frau Finger aber wackelt auch erheblich, Buße würde ich nur der lustigen Konstruktion wegen von ihr fordern (Buß, Finger, Finger, Buße... hahaha). Berühmt ist die Gustloff aber nicht, ebenso wenig die "deutsche Titanic" (Buß). Und ebenso wenig war die Gustloff bzw. ihr Untergang jemals ein Tabu. Daran, dass jeder die Titanic, aber kaum jemand (auch nur in Deutschland) die Gustloff kennt, wird auch dieser Film nichts, aber auch gar nichts ändern. Das wäre auch nicht anders, wäre statt Wiesinger diCaprio an Bord (der heißt übrigens auch Wilhelm)-- allerhöchstens werden in zehn, zwanzig Jahren die Nachgewachsenen auf das jeweilige Stichwort (Titanic oder Gustloff oder auch Stauffenberg) sagen, "Da gab's doch mal 'nen Film" -- Schwimmwesten an, und nach der Tagesschau schön aufs Zweite geschaltet, denn mit dem Zweiten sinkt man besser. Leinen los! bzw. Torpedo-Rohre frei.
Wie auch immer, heute abend geht im Fernsehen "Die Gustloff" unter, und mit ihr hoffentlich Heiner Lauterbach, Kai Wiesinger und Francis Fulton-Smith (wer öfter sonntags ZDF schaut, bekommt also ein bekanntes, Pilcher-geprüftes Gesicht).
Ob der Film nun Opfermacherei ist, und damit revisionistisch und Holocaust-relativierend, und ob man das auch Grass für seinen "Krebsgang" vorwerfen kann, soll, will ... ist mir zwar nicht schnurz, aber wenigstens schnuppe. Interessant ist das drumrum und tam-tam aber alle mal. Wie der Vilsmaier-Film ist kann ich jetzt natürlich nicht sagen, der läuft ja auch erst um acht, ich will den geneigten Leser allerdings auf zwei Rezensionen hinweisen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Evelyn Finger wundert sich, "dass Guido Knopps Geschichtswerkstatt einmal einen konsequent antirevisionistischen Antikriegsfilm über das Ende des Dritten Reichs produzieren [kann]. Ausgerechnet der Untergang der 'Wilhelm Gustloff', des berühmten Passagierdampfers, der am 30. Januar 1945 in der Ostsee sank, ist jetzt ohne jede nationale Selbstgerechtigkeit verfilmt worden."
(...in der Wochenschau der aktuellen ZEIT, ebenso online)
Gehen wir mal davon aus, dass Frau Finger den Film gesehen hat und lesen andernorts weiter.
Christian Buß schreibt für SPIEGEL-online, dass "die schlimmste Schiffskatastrophe aller Zeiten gerade groß genug [sei], um noch einmal jenes alte Lied anzustimmen, nach dem ein paar perfide Nazis ihre Leute in den Untergang getrieben haben." Vilsmaiers Film setze ein "schiefes Sinnbild in Szene [...]: Da säuft ein Volk von Unschuldigen ab."
Streng genommen kann diese diametrale Opposition der zwei Artikel nur naive Gemüter in Staunen versetzen, die denken, es gäbe so etwas wie eine einzige absolute Wahrheit; die gibt's nämlich nicht. (Aber glauben Sie das jetzt nicht einfach so, schließlich steht's ja nur irgendwo im Internet.)
Es ist aber auch schön, wie weit die Diskrepanz geht. Finger findet nämlich den Fernsehfilm "Dresden" genauso schlimm wie "Untergang", und "Flucht" und sieht alle als Teil eines "Exzess[es] des Selbstmitleids".
Buß hingegen findet:
"[...] Wo das grandiose Kriegsmelodram 'Dresden' vor dem Hintergrund des britischen Bombardements feinnervig von der faschistischen Durchdringung auch kleinster sozialer Zellen berichtete, perlt sämtlicher ideologischer Schmutz an den guten Deutschen auf der 'Gustloff' ab."
Ich gehe trotz allem davon aus, dass beide den gleichen Film gesehen haben. Aber wer die Überschrift des Buß-Artikel gewählt hat, dem gehört wirklich auf die Finger gehauen. Aus dem letzten Satz, "Tut-tut, hier kommt der Antifa-Dampfer" wird nämlich "...Opfer-Dampfer". Frau Finger aber wackelt auch erheblich, Buße würde ich nur der lustigen Konstruktion wegen von ihr fordern (Buß, Finger, Finger, Buße... hahaha). Berühmt ist die Gustloff aber nicht, ebenso wenig die "deutsche Titanic" (Buß). Und ebenso wenig war die Gustloff bzw. ihr Untergang jemals ein Tabu. Daran, dass jeder die Titanic, aber kaum jemand (auch nur in Deutschland) die Gustloff kennt, wird auch dieser Film nichts, aber auch gar nichts ändern. Das wäre auch nicht anders, wäre statt Wiesinger diCaprio an Bord (der heißt übrigens auch Wilhelm)-- allerhöchstens werden in zehn, zwanzig Jahren die Nachgewachsenen auf das jeweilige Stichwort (Titanic oder Gustloff oder auch Stauffenberg) sagen, "Da gab's doch mal 'nen Film" -- Schwimmwesten an, und nach der Tagesschau schön aufs Zweite geschaltet, denn mit dem Zweiten sinkt man besser. Leinen los! bzw. Torpedo-Rohre frei.
um 18:02 1 Kommentare Kategorie(n): Medien, Politik, Selbstreferenz, Spontanartikel
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